In Erinnnerung an Joachim „Jockel“ Reibold

2019-01-16T17:37:23+00:00Januar 16th, 2019|Allgemein|

Unser Clubmitglied Joachim Reibold ist am 01.01.2019 in Potsdam verstorben. Seitdem hängt die Fahne auf Halbmast und der Club trauert um ihn. Der folgende Artikel ist im Original in der Clubzeitung im vergangenen Jahr erschienen und gibt uns die Möglichkeit, seinen Lebensweg noch einmal Revue passieren zu lassen.

Egal ob alt oder jung, wer des Öfteren nach dem Sport noch in der Ökonomie verweilt, wird den Namen Joachim „Jockel“ Reibold schon das ein oder andere Mal gehört haben, der in der Ruderszene allen bekannt ist – und selbst nahezu alle Ruderer und Funktionäre bestens kannte. Meist fällt der Name im Zusammenhang mit aktuellen oder vergangenen Ereignissen rund um das Rudern in Potsdam und den Wettkampfsport. Und wer ihn nicht kannte, musste nur Ausschau nach den letzten Zigarettenrauchern halten.

Mit Jockel feierte ein echter – nämlich gebürtiger – Potsdamer seinen 80. Geburtstag. Mit 11 Jahren trat er in die Rudergemeinschaft Potsdam ein.

Dort war er seit dem Mauerfall 1989 stark mit den Geschehnissen des Rudersports verbunden. Er unterstütze den Aufbau eines gemeinsamen Rudervereins in Potsdam maßgeblich und hat damit das Rudern in Potsdam geformt!

Nun aber zurück zu den Anfängen. Joachim wurde am 07.02.1937 in Potsdam geboren und wuchs ohne seinen früh verstorbenen Vater bei der alleinerziehenden Mutter auf. 1949 wird er mit 12 Jahren, beim Spielen auf einem Kohlenhof in Potsdam, für den Rudersport begeistert. Das provisorische Bootshaus für Potsdams Ruderer befand sich, nach den Ausbombungen an der Neustädter Havelbucht, nunmehr am Tiefen See. Später erfolgte unter Alfred Großkopf der Umzug zum Seekrug am Templiner See, einem ehemaligen Gästehaus von Hermann Göring. Joachim wird 1953 als Stm. „DDR-Jugendmeister“.

1955 war für Jockel ein einschneidendes Jahr, denn am 30. Juni wurde er wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ von der Schule in Potsdam verwiesen. Darauf folgte die Flucht nach Westdeutschland. In Oberurff, nahe Kassel, machte er dann seinen Schulabschluss. Sportlich betätigte er sich in der Leichtathletik, in Ermangelung eines nahen Gewässers.

1959 zog Jockel nach Berlin (West) um, wo er in den BRC eintrat – sicher auch beeinflusst durch den von ihm gewählten Lehrberuf „Brauer und Mälzer“ bei der Berliner Kindl Brauerei. Bis zum Diplom–Braumeister hat Jockel es in seinem erlernten Beruf gebracht.

1959 u. 1960 war er unter Walter Volle in Achter-Mannschaften mit Siegen in Ratzeburg, Duisburg und Gatow als Jungmann, Junior und 2.Senior mehrfach erfolgreich. Nach dem Studienabschluss begann er seine Tätigkeit als Diplom-Braumeister in Hannover-Linden durch Vermittlung von Dr.Walter Wülfing, später folgte der Wechsel nach Bad Kreuznach (Flaschen-Herstellung).

1962 begann Jockel seine Laufbahn als Jugendbetreuer und Rudertrainer. Dieser Weg führte ihn über viele Stationen auch in die Bundesrepublik. Jockel war im Rudersport nicht nur als Trainer unterwegs, nein auch als Regattaleiter und mit vielen anderen Aufgaben betraut, die mit Rudern zu tun hatten. Ferner erwarb er bei Karl Adam die Trainer B-Lizenz des DRV und erreichte einen Abschluss als Sportlehrer mit Hauptfach Rudern. So umfassend ausgebildet kehrte er 1974 als Trainer zum BRC zurück und war dort bis 1976 als Betreuer im Einsatz.

Von 1978 bis 1985 war er dann Trainer im PRC-G. Zu der von ihm betreuten Gruppe gehörten z. B. Lutz Redlinger, Erhard Engelmann, Ulrich Meischke und Carl-Friedrich Raatz. Jockel verantwortete anno 1983 die Ausrichtung des 100. Clubjubiläums und brachte sein Organisationstalent 2008 nochmal anlässlich des 125. Jubiläums ein. In dankbarer Anerkennung seiner Arbeit zeichnete ihn der PRC-G dafür mit der Goldenen Clubnadel mit Brillanten aus.

Bis zur Wiedervereinigung hielt Jockel stets engen Kontakt zu seinen früheren Kameraden in der „Zone“. Regelmäßige Besuche bei unserem Ehrenmitglied Alfred Großkopf in Rostock sowie bei dessen letzten Geleit zeichneten seine Verbundenheit in seine frühere Wirkungsstätte aus.

Von 1990 bis 2002 arbeitete Jockel unter anderem bei der Gründung der PRG mit und war dort 8 Jahre als Sportvorsitzender sowie für die Verwaltung des Ruderzentrums tätig. Seit der Wende 1989 war er wieder in seiner Heimatstadt Potsdam aktiv. Jockel hat in all der Zeit vor der Wende den Kontakt zum Seekrug gehalten. Die Jugendzeit dort war für viele – auch für Jockel – sehr prägend und so hielten sich die Beziehungen trotz Mauer und Abschottung der DDR und ihrer Funktionäre. Nach dem Mauerfall hatte ihn Jockels Chef Manfred von Richthofen im Landessportbund nach Potsdam geschickt, um den Rudersport unter den neuen Bedingungen zu gestalten. Dort hat er die PRG als Träger des Bundesstützpunktes mit entwickelt und aufgebaut und die Finanzen für den Stützpunkt geführt. Seinen Traum, dass aus der PRG am Seekrug ein wirklicher Ruderverein wird, ließ sich nur sehr bedingt umsetzen. Schlussendlich haben fortbestehende alte Strukturen und die Menschen, die diese bis heute vertreten, ihn dann vorzeitig ausgebootet.

Er hat dann 2011 nochmals sehr engagiert nach der Abwahl von Kathrin Boron die Umgestaltung der PRG mit unterstützt. Durch die Gründung des RCP ist mit Unterstützung durch den LRV und den LSB auch dieser Versuch eines breit aufgestellten Rudervereins verhindert worden.

Und doch hielt Jockel an seinem Traum eines wirklichen, breit aufgestellten Rudervereins in Potsdam, immer noch fest – er war Gründungsmitglied des wieder gegründeten RC Vineta-Potsdam e.V.

Seinen großen Einsatz für den Rudersport hat er neben seiner Rolle als Familienvater von drei Kindern und als Ehemann von seiner ersten Frau Waltraud und zweiten Frau Gisela erbracht.

Zahlreiche Erfolge konnten die von Jockel betreuten Mannschaften für ihre Vereine erringen. Wie viele Siege Jockel in seiner erfolgreichen Trainerlaufbahn insgesamt hervorgebracht hat – das weiß wohl nur er selbst genau.

Jürgen Langer, Carsten Spengemann, Richard Cebulla