Jürgen Langer prägte eine Ära des Potsdamer Ruderclubs Germania. Seine Athleten gewannen Deutsche Jugendmeisterschaften, die Junioren WM, Deutsche Meisterschaften und Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Das war jedoch bei weitem nicht alles.

Nachdem Jürgen seine eigene Laufbahn als aktiver Rennruderer beendet hatte, begann er, sich der ruderischen Ausbildung zu widmen. Es begann im Frühjahr 1965, in dem sich auf dem Gelände des gerade fertiggestellten neuen Gebäudes des PRC-G einige junge Menschen einfanden, um das Rudern zu erlernen. Jürgen war vor Ort, er nahm uns in Empfang. In Jürgen, wir lernten ihn alle zunächst nur als Packer kennen, fanden wir einen Menschen, der viel mehr geben konnte als nur ein Trainer, Ausbildungsleiter und Sportler.

Wir merkten sehr schnell, dass Packer anders war als all die Lehrer, die uns bisher in unserem Schulleben lange Zeit begleitet hatten. Er besaß die Gabe des aufmerksamen und geduldigen Zuhörens, er ging auf uns ein. Das nahmen wir sehr schnell wahr, und so zog es uns immer öfter ins Bootshaus.

Packer drängte nie, sondern er förderte und forderte unseren selbstbestimmten Einsatz, sodass aus uns begierig das Rudern Lernenden sehr schnell eine eingeschworene Gemeinschaft wurde, die sich im Wettkampf untereinander und mit anderen messen wollte.

Schon bald wurden erste Regatten besucht, der sich sofort einstellende Erfolg machte uns gierig nach mehr. Packer zeigte jedoch, dass der Rudersport noch anderes bieten konnte als ausschließlich härtestes Training für die siegreiche Teilnahme an Wettkämpfen. Wanderruderfahrten in Schweden oder auf der Rhône in Frankreich schufen uns unvergessliche Momente und vermittelten die umfassende Schönheit des Rudersports.

Immer zeigte Packer sich gesprächsoffen, diskutierend, zum Eigendenken motivierend, begeistert und begeisternd. Er praktizierte einen kooperativen Führungsstil, stets geduldig und aufmerksam. Kritik äußerte er stets auf Augenhöhe, fair mit Gegenreden umgehend. Er gewann dadurch unser aller tiefes Vertrauen.

Seit seiner eigenen aktiven Zeit als Ruderer für den Potsdamer Ruderclub Germania besaß Packer zwei eigene Boote, das Skiff „Menkenke“ und den Zweier-ohne „Bärlyn“. Es war in der damaligen Zeit – Mitte der sechziger Jahre – eher üblich, die Kunst des Ruderns in Gigbooten zu vermitteln. Packer war jedoch von wesentlichen Elementen der „Ratzeburger Schule“ überzeugt, und setzte seinen eigenen Bootsbestand von Anbeginn für die Ausbildung und das Training in Rennbooten ein. Er war überzeugt, dass ausschließlich die Förderung der individuellen Beherrschung des Einers eines der Kernelemente seines Trainings war. Sein Trainingsprogramm bestand – ebenfalls nach Ratzeburger Vorbild – aus Langstreckentraining, Streckenschlagserien und langen Intervallstrecken bis 1000 m.

Packer schuf damit sämtliche Grundlagen für die Erfolge seiner Schützlinge während seiner Trainerzeit und danach. Er legte den Grundstein für eine damals einzigartige Kooperation zwischen Vereinen im Juniorenbereich. Gemeinsam mit Ruderern des Berliner Ruderclubs Astoria stellte der Gewinn des Jugendpokals für den erfolgreichsten Verein bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 1969 auf dem Baldeneysee in Essen einen bis dahin nie dagewesenen Höhepunkt dar.

Packer legte 1973 sein Traineramt nieder. Er blieb weiterhin ein immer treuer Begleiter und aufrichtiger Ratgeber. Er war ein Freund.

In den folgenden Jahren wurde Packer wieder selbst aktiver Ruderer. Nach Kilometern den Äquator umrundend, war er häufig täglich auf Wannsee und Havel anzutreffen. An unzähligen Wanderfahrten, die er so liebte, nahm Packer nun teil, diese in seiner nun ehrenamtlichen Tätigkeit als Ruderwart häufig organisierend.

In seiner weiteren Eigenschaft als Bootswart achtete Packer akribisch auf den Zustand unseres Equipments. Er benutzte Boote nicht einfach für seinen Sport. Er hegte und pflegte sie mit Hingabe. Er ging erst als letzter vom Platz, nachdem alle Boote geputzt und sicher in der Halle verstaut waren. Großzügig unterstützte Packer die ständige Erweiterung des Bootsparks unseres Clubs. Vehement konnte er reagieren, wenn er Nachlässigkeiten im Umgang mit unserem Material beobachtete. In seiner Kritik immer kompromisslos ehrlich, ohne auf eigene Nachteile zu achten, blieb unser Ehrenmitglied Jürgen Langer, Packer, bis zu seinem unerwarteten Ende immer ein Vorbild.

Eine große Persönlichkeit unseres Clubs ist am 15. August dieses Jahres im Alter von 85 Jahren für immer von uns gegangen.

Klaus Roloff